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Mit dem Motorrad
entlang der Deutschen Fachwerkstraße

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 (c) MOTORRADSTRASSEN Peter Wahl
(c) MOTORRADSTRASSEN Peter Wahl.

Abwechslungsreiche Landschaften, von der Elbe bis zum Bodensee und bezaubernde Fachwerkstädte – Städte mit besonderem Flair und Fachwerkgeschichte aus vielen Jahrhunderten – Romantik trifft Lebensfreude!

Motorradtouren auf der Deutschen Fachwerkstraße versprechen erlebnisreiche und genussvolle Strecken. Interessante Sehenswürdigkeiten entlang der Routen, Bikertreffs und Geheimtipps für Motorradreisende fehlen dabei ebenfalls nicht.

Mit unserem Kooperationspartner dem Magazin und Portal MOTORRADSTRASSEN haben wir die schönsten Touren ausgesucht. Touren von unterschiedlicher Länge und Dauer. Ob die kleine Rundtour oder das große Reiseerlebnis über mehrere Tage – unsere acht Regionalstrecken bieten für jeden Geschmack das Richtige.

Und darüber hinaus:
Zu jeder unserer Fachwerkstädte gibt es mindestens eine Start-/Ziel-Tour, damit sich auch ein längerer Aufenthalt mit Übernachtung lohnt. Dazu einfach www.kurviger.de eingeben, Import wählen, Tourcode anklicken, Dein Tourcode eingeben, laden und auf das Navigationsgerät übertragen.

Also dann:
Linke Hand zum Gruß
und herzlich willkommen auf der Deutschen Fachwerkstraße

 


Routentipps Motorradstrassen Heft 3/2021

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Gesamtroute zum Artikel „Fachwerk, Kurven und Genuss“
Tourentipp 2103MS17 – 555 km - https://kurv.gr/bsbqK

TOURENTIPPS für Rundtouren ab/an:
Hanau-Steinheim – Tourentipp 2103MS18 – 207 km - https://kurv.gr/vs9rK

Idstein – Tourentipp 2103MS19 - 173 km - https://kurv.gr/abneS

Bad Camberg – Tourentipp 2103MS20 - 178 km - https://kurv.gr/fNnQv

Braunfels – Tourentipp 2103MS21 - 203 km - https://kurv.gr/8WwDJ

Grünberg – Tourentipp 2103MS22 - 234 km - https://kurv.gr/4XvCS

Alsfeld – Tourentipp 2103MS23 - 259 km - https://kurv.gr/9VLZL

Lauterbach – Tourentipp 2103MS24 - 298 km - https://kurv.gr/hzyhn

Schlitz – Tourentipp 2103MS25 - 272 km - https://kurv.gr/xGU9f

Steinau – Tourentipp 2103MS26 - 252 km - https://kurv.gr/tUGLq

Seligenstadt – Tourentipp 2103MS27 - 212 km - https://kurv.gr/345DV

 


  
 

Oberlausitzer Umgebindehausstrasse

112 KM (zur Regionalstrecke)

Ebersbach-Neugersdorf | Seifhennersdorf | Großschönau | Mittelherwigsdorf | Oderwitz | Herrnhut | Kottmar

 


Routentipps

Text: Redaktion SHE IS A RIDER, Bildrechte: © SHE IS A RIDER, Andreas Lehahn

GPX-Track zum Download Tag 1 | GPX-Track zum Download Tag 2

 

Auf der Deutschen Fachwerkstraße durch die Oberlausitz

Als wir die Einladung Deutschen Fachwerkstraße bekamen, eine Motorradtour auf der Oberlausitzer Umgebindehausstraße – eine der acht Regionalstrecken der Deutschen Fachwerkstraße - zu machen haben wir uns zunächst irritiert angesehen. Fachwerkstraße? Was ist das überhaupt? Das klang für uns zunächst nach gediegenem Seniorenausflug ohne Überraschungen. Was soll es da schon zu erleben geben? Kurven – gibt es da welche?

Eines kann ich vorab verraten: Zum Glück war unsere Neugierde stärker als unsere Skepsis. Wir wurden nicht nur mit interessanten touristischen Sehenswürdigkeiten überrascht, sondern auch mit tollen Menschen und wunderbaren Kurven über Berg und Tal.

Am Freitag ist Anreisetag und aufgrund der Verkehrslage haben wir uns entschieden ein Stück Autobahn zu fahren, um nach dem arbeitsreichen Vormittag in der Redaktion schnell von Berlin aus an unser Ziel, dem Hotel & Restaurant Hainberg in Ebersbach-Neugersdorf zu gelangen. Bereits das letzte Stück Landstraße lässt uns erahnen, dass es hier wunderschöne Motorradstrecken gibt.


Tag 1:

Nach einem ausgiebigen Frühstück erwartet uns am Samstag unser ortskundiger Tourguide Frank, um uns die schönsten Strecken und Sehenswürdigkeiten der Oberlausitzer Fachwerkstraße näher zu bringen.

Apropos Fachwerk – gleich zu Beginn durften wir lernen, dass es sich auf der Oberlausitzer Fachwerkstraße um Umgebindehäuser handelt. Eine besondere Architektur, die slawische Blockstube und fränkische Fachwerkbauweise miteinander vereint.


Jetzt aber auf die Motorräder und los geht es. Unser erstes Ziel ist die einzig wahre Spreequelle in Spreeborn– zumindest wenn wir der Aussage unseres Tourguides folgen. Als Berliner mussten wir uns das natürlich ansehen.

Natürlich zeigt er uns auch noch die weiteren Spreequellen in Bad Neugersdorf und Waldorf am Kottmar, zu der eine kleine verwinkelte Straße führt.


Weiter geht es zu einem ganz besonderen Umgebindehaus, dem Schunkelhaus in Obercunnersdorf. Das pitoreske Dorf mit seinen schmalen Kopfsteinpflastergässchen und den unterschiedlichsten Umgebindehäusern ist ein Erlebnis. Nach einem kurzen Fotostopp geht es auch schon weiter. Frank hat ein straffes Programm für diesen Tag angesetzt.


Auf einer wunderbaren kurvigen Strecke, die das Motorradfahrerherz juchzen lässt, geht es hoch auf den Löbauer Berg zum König-Friedrich-August-Turm, besser bekannt als der Gusseiserne Turm. Frank und Andreas lassen es sich nicht nehmen, die vielen Stufen des Turms hochzuklettern, um die grandiose Aussicht zu genießen. Meine Höhenangst hält mich davon ab es den beiden gleich zu tun, und ich beobachte das ganze lieber von unten gemütlich auf einer Bank sitzend.

Frank hat uns viele Highlights versprochen und führt uns weiter in Richtung Herrnhut. Der Ort ist bekannt für seine Weihnachtsstern Manufaktur. Leider können wir diese aufgrund der aktuellen Corona Pandemie Situation nicht besichtigen. Normalerweise werden hier auch Workshops angeboten, bei denen man sich seinen eigenen Weihnachtsstern basteln kann. So bleibt uns dieses Mal nur der Blick von außen.


Spreequelle in Spreeborn
Schunkelhaus in Obercunnersdorf
Löbauer Berg, König-Friedrich-August-Turm, besser bekannt als der Gußeiserne Turm
Weihnachtsstern Manufaktur Herrnhut

Langsam meldet sich der Hunger bei uns und Frank hat sich für die Mittagspause ein besonderes Ziel ausgedacht. Über Diddelsdorf, Wittgendorf und Oberseifersdorf geht es nach Zittau. Wir hätten dort gerne die Mittagspause im Bikerhotel Riedel verbracht. Leider ist das Hotel noch geschlossen und so bleibt uns nur ein kurzer Schwatz mit dem Hotelbesitzer, der selbst ein begeisterter Biker ist und mehrere Motorräder sein Eigen nennt.

Jetzt zeigt sich, wie gut es ist, dass wir mit Frank einen Tourguide haben, der die Gegend wie seine Westentasche kennt.

Über den Grenzübergang Friedensstraße geht es ca. einen Kilometer nach Polen um dann die tschechische Grenze zu passieren. In Hradek machen wir dann unsere ersehnte Mittagspause. Dass Biker hier willkommen sind erkennt man an den vielen Motorrädern, die bereits an der Straße parken.

Nach dieser Stärkung sind wir bereit für das nächste Highlight. Frank sagt nur, dass er etwas Besonderes für uns hätte. Na dann…

Und tatsächlich – wieder zurück auf deutschem Boden erwartet uns die Lückendorfer Bergrennstrecke. Ich jauchze unter dem Helm als ich mich bergauf in die Kurven lege. Am liebsten würde ich am „Zieleinlauf“ angekommen umkehren und den Berg noch einmal runter und wieder hochfahren. Doch dafür haben wir keine Zeit, schließlich wartet die nächste Besonderheit auf uns.


Bei Lückendorf geht es wieder zurück nach Tschechien und zur bekannten Bikerhöhle Cvikov. Wir haben einen guten Tag erwischt. Es ist nicht viel los und wir können uns in Ruhe die Höhle ansehen und natürlich mit den Bikes durchfahren. Vor allem die Jungs haben ihren Spaß daran, am Gashahn zu drehen, um die Akustik der Höhle zu genießen. Ich gebe zu, es hat schon was, durch diese Höhle zu fahren.

Auf der Weiterfahrt halten wir in einem kleinen Ort an, weil mein Teamkollege Andreas unbedingt noch Fotos von den Umgebindehäusern machen will. Eine ältere Dame kommt neugierig auf uns zu und verwickelt uns in ein Gespräch. In einer Mischung aus Deutsch, Tschechisch und mit Händen und Füßen erzählt sie uns ihre halbe Lebensgeschichte. Land und Leute kennen lernen – genau das, was wir lieben.

Über den Schöberpass Rumburg fahren wir durch die wunderbare Landschaft der Oberlausitz zurück Richtung Hotel und lassen dort den Abend bei einem leckeren Abendessen und einem kühlen Bier ausklingen.


Strecke: ca. 157 km
Nettofahrtzeit: ca. 5 Stunden
Gesamtdauer: 9 Stunden


Bikerhotel Riedel
Die Bikerhöhle in Tschechien - ein
Auch in Tschechien sehen wir wunderschöne Umgebindehäuser
Blick aus dem Hotelfenster - Natur so weit das Auge reicht

Tag 2:

Der Samstag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, obwohl Regen gemeldet war. Also bleibe ich optimistisch und lasse die Regenkombi im Hotelzimmer zurück.
Tourguide Frank scharrt schon mit den Hufen. Er hat eine lange Liste von Sehenswürdigkeiten, die er uns gerne zeigen will. Wir sind gespannt…


Zunächst geht es ins nahe gelegene Neusalza-Spremberg. Dort steht das Reiterhaus, ein Baudenkmal und Heimatmuseum. Es ist eines der ältesten Umgebindehäuser der Oberlausitz. Wir freuen uns, dass das Museum geöffnet ist. Da wir die einzigen Besucher an diesem Vormittag sind, können wir uns in aller Ruhe umsehen. Als Frau Wittwer, die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, mitbekommt dass wir einen Bericht über die Oberlausitzer Umgebindehausstraße schreiben, lässt sie es sich nicht nehmen und erzählt uns in lebendigen Worten die Geschichte des Reiterhauses. Sie tut das mit großem Enthusiasmus und breitem Wissen. So erfahren wir auch, dass ihr Großvater das Haus gekauft und es anschließend in ein Museum umgewandelt wurde. Die Zeit vergeht wie im Flug. Aus dem geplanten kurzen Fotostopp wird somit über eine Stunde „Geschichtsunterricht“.


Doch Frank ist einfach nicht zu bremsen und so verabschieden wir uns und fahren zur nächsten Sehenswürdigkeit. Die Bockmühle in Kottmarsdorf steht auf einer kleinen Anhöhe von dem man einen wunderbaren Blick über das Tal und auf das Nahe Zittauer Gebirge hat.


Damit auch der Spaß am Motorradfahren nicht zu kurz kommt hat sich Frank für heute zwei ganz besondere Ziele vorgenommen. Als Erstes geht es bei Zittau wieder über die Grenze nach Tschechien Richtung Jeschkengebirge. Über eine schmale Straße, die sich zwischen Häusern kurvig nach oben schlängelt fahren wir den Javornik hoch zum Riesenfass. Auf 684 m Höhe erwartet uns ein Hotel/Restaurant, das die Form eines gigantischen Weinfasses hat.

Nach einer ausgiebigen Pause und entsprechender Stärkung sind wir fit für das Highlight des Tages.


Webstuhl im Heimatmuseum Reiterhaus
Die Bockmühle in Kottmarsdorf
Hotel/Restaurant in Form eines gigantischen Weinfasses

Weiter geht es durch das Jeschkengebirge. Die Straße wird immer kurviger und lässt erahnen, was noch kommt. Wir fahren auf den Jeschken. Immer schmaler wird die Straße, die Kurven immer enger. Ich bin ganz froh, dass uns hier kein Auto entgegenkommt. Doch auf 1.012 Metern Höhe werden wir mit einem spektakulären Ausblick belohnt. Diese „Auffahrt“ hat sich mehr als gelohnt. Unter uns sehen wir grüne Felder und glitzernde Seen. In der Ferne das Riesengebirge. Wer mag, kann hier im Hotel Nad Oblaky übernachten oder im Restaurant den gigantischen Ausblick genießen. Wir begnügen uns mit Kaffee und einem Eis am Imbiss und erfreuen uns an der Weite.

Auf dem Rückweg werden wir immer wieder von Motorradfahrern überholt, die hier ihren Rennmaschinen den gebührenden Auslauf geben. Wir lassen es etwas ruhiger angehen. Über das Naherholungsgebiet Hammer am See geht es bei Lügendorf über die Grenze zurück nach Deutschland. Doch unser Tag ist noch nicht zu Ende...


Voller Stolz führt uns unser Guide zum Waltersdorfer Kretscham. Er selbst ist Mitglied des Fördervereins, der dieses ehemalige politische, später kulturelle Zentrum und größte Fachwerkhaus des Ortes mit großem Einsatz und viel eigener Arbeit restauriert hat. Inzwischen beherbergt es eine Kaffeerösterei mit angeschlossenem Café und einen Veranstaltungsraum.


Unser Weg führt uns dann zum Motorrad- und Technikmuseum in Großschönau. Auch dieses ist aufgrund der Pandemielage aktuell geschlossen, und so bleibt uns nur ein kurzer Stopp fürs Erinnerungsfoto. Ebenso ergeht es uns mit dem Damast- und Frottiermuseum.
Alleine die kleinen Kopfsteinpflasterstraßen und die wunderschönen Umgebindehäuser sind es wert, diesen Ort zu besuchen. Wir fühlen uns in eine andere Zeit zurückversetzt und ich habe fast schon ein schlechtes Gewissen auf dem Motorrad und nicht zu Pferd durch diesen Ort zu reiten.

Es gäbe noch so viel zu sehen, doch die Sonne geht langsam unter und so machen wir uns auf den Weg in unser Hotel.


Strecke: ca. 200 km
Nettofahrtzeit: ca. 6 Stunden
Gesamtdauer: 10 Stunden

Am Montagmorgen packen wir nach einem ausgiebigen Frühstück und vielen wunderbaren Eindrücken unser Gepäck auf die Motorräder und fahren zurück Richtung Berlin.

Zunächst lassen wir uns vom Navigationssystem über die kurvenreichste Strecke führen. Was für ein Abschluss dieser Reise. Noch einmal zeigt uns die Oberlausitz ihre schönsten Landstraßen gesäumt von Wiesen und Feldern, kleinen Waldstücken und kaum Verkehr. Fast haben wir das Gefühl, sie will uns den Abschied schwer machen oder einfach dafür sorgen, dass wir wiederkommen.


Hotel Nad Oblaky auf dem Jeschken
Waltersdorfer Kretscham - Früher Gerichtsstand - heute Museum
Damast- und Frottiermuseum
Abschied von der Oberlausitz

Unser Fazit:

Die Oberlausitzer Umgebindehausstraße ist ein Traum für Motorradfahrer. Wir wurden überall freundlich empfangen. Es fand sich immer ein Parkplatz und die Straßen sind überwiegend in einem sehr guten Zustand. Polen und Tschechien sind nicht weit, so dass sich ausreichend Gelegenheit bietet die unterschiedlichsten Strecken zu fahren. Für Sightseeing sollte man sich ausreichend Zeit einplanen. Hier hätten wir locker eine Woche Urlaub machen können, ohne dass es uns irgendwann langweilig geworden wäre.

Wir bedanken uns herzlich bei Volker Holzberg, Deutsche Fachwerkstraße in der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte e. V., für die Organisation und bei unserem Tourgide Frank Kasper.

Wer selbst einmal mit Frank eine Motorradtour durch die Oberlausitz machen möchte, kann ihn über das Hotel Riedel erreichen.